CCS Ladder 2.0 – ein Update zur Einordnung des Klimanutzens von CCS-Anwendungen in Europa
Als E3G und Bellona 2023 erstmals die CCS Ladder veröffentlichten, war das Ziel, mehr Differenzierung in die polarisierte Debatte um CCS zu bringen. ...
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Autor:innen: Fabian Liss; Eliane Hochsprung; Bellona
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Unser Diskussionspapier ermöglicht einen kompakten Überblick über die verbleibenden strategischen und regulatorischen Herausforderungen im Politikfeld des Carbon Managements in Deutschland nach der Verabschiedung des KSpTG. Es erfasst auf Basis eines Workshops des CCS Forums zentrale Herausforderungen und liefert konkrete Ansatzpunkte für weiter durch die Politik in Bund und Ländern zu klärende Fragestellungen. Ein Schwerpunkt liegt auf den Themen, die auch für einen fortgesetzten Stakeholder-Dialog durch die Bundesregierung relevant sind.
Die Verabschiedung des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes (KSpTG) markiert einen entscheidenden Zwischenschritt: Carbon Capture and Storage (CCS) ist nun rechtlich ermöglicht – der Grundsatzdebatten um die Notwendigkeit dieser Technologie im industriellen Klimaschutz folgt nun die Phase konkreter Umsetzung. Doch das Gesetz allein löst nicht alle Probleme: Offene Fragen zu Governance, Infrastruktur und Finanzierung von CCS bremsen den Hochlauf. Das Diskussionspapier systematisiert zentrale Aufgabenfelder und Dilemmata im Sinne einer Carbon Management-Roadmap. Es benennt Ansatzpunkte für u. a. im Rahmen eines Stakeholderdialogs zu klärende Fragestellungen. Dabei spiegeln die im Papier adressierten Themenkomplexe die Diskussionen der Teilnehmenden und sind nicht als erschöpfend zu verstehen. Die Teilnehmenden des Workshops machen sich zudem nicht notwendigerweise die Gesamtheit aller skizzierten Aufgaben, Perspektiven und Ansätze zu eigen.
Strategische Governance
Eine nationale Carbon Management-Strategie (CMS) ist essenziell, um Planungssicherheit für alle Akteure zu schaffen. Sie muss Zielbilder, sektorale Priorisierungen, CO₂-Mengenpfade bis 2050, Grundlagen für die Infrastruktur (inklusive Zuständigkeiten und Haftung), Fördermittel sowie Kriterien für umweltsensitive Speicherentwicklung definieren – idealerweise verknüpft mit EU-Strategien wie ETS, CBAM und NZIA. Ergänzend braucht es eine Roadmap zur CO₂-Infrastruktur, die die Rollenverteilung zwischen Bund, Ländern und Unternehmen klärt: von der Optimierung der Genehmigungsverfahren über Risikomanagement bis hin zu grenzüberschreitender Abstimmung und Bürger:innenkommunikation.
Zieladäquate Infrastruktur
Der CO₂-Transport startet mit vielfältigen Transportmitteln (Schiene, ggf. auch Binnenschiff), bevor Pipelines dominieren. Wesentliche Voraussetzungen für die Infrastrukturplanung, wie z. B. eine Belastungsanalyse des Schienennetzes, müssen jedoch noch angestrengt werden. Speicherkapazitäten in der deutschen Nordsee (AWZ) sind indes – wie das GEOSTOR-Projekt gezeigt hat – nicht unendlich; Onshore-Optionen (z. B. durch Opt-ins der Länder) erfordern Erforschung, Akzeptanzdialoge und konkretere Studien zu den Kosten. Der Export (z. B. Norwegen, Niederlande) bleibt daher zunächst essenziell. Netzplanung sollte clusterorientiert, systemisch (zusammen mit Strom-/H₂-Netzen) und grenzüberschreitend erfolgen – auch unter Berücksichtigung der perspektivischen Bedeutung von CCU.
Nachhaltiger Finanzierungsrahmen
Das klassische Investitionsdilemma (kein Netzaufbau ohne Nachfrage, keine Nachfrage ohne Aufbau der Netzes und von Speicherkapazitäten; sog. „Henne-Ei-Dilemma“) erfordert staatliche Risikoabsicherung: Amortisationskonten oder vergleichbare Modelle, Entscheidungen zu Netzentgeltmodellen (Briefmarke vs. Hybridmodelle vs. distanzbasiert), Optimierung von CCfDs und BIK. Diskussionen um die Förderung von CCS-Anwendungen müssen industrielle Wettbewerbsfähigkeit und Klimanutzen der Technologie adressieren.
Europäische Perspektive
Ein ambitionierter ETS-Preispfad bleibt zentral für CCS-Anreize. NZIA-Artikel-23-Verpflichtungen (50 Mt Injektionskapazität bis 2030) brauchen einheitliche mitgliedstaatliche Compliance-Levels. Regulatorische Baustellen (IED/BAT, etwaige Integrationsmodelle von CDR in den EU-ETS) und staatenübergreifende Planung (z. B. Delta-Rhein-Korridor) erfordern Koordination.
Das Papier skizziert verbleibende Aufgaben für einen am Klimanutzen der Technologie orientierten CCS-Hochlauf. Wir freuen uns über Feedback und Austausch!