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CO₂-Differenzverträge als Basis für Investitionssicherheit: Analyse der aktuellen Förderrichtlinie und Vorschläge zur Optimierung

Autor:innen: Niklas Wagner; Bellona

Um die Industrie klimaneutral umzugestalten, reicht der aktuelle CO2-Preis als Anreiz nicht aus. Zu groß sind die technologischen und regulatorischen Unsicherheiten und damit Erlös- und Kostenrisiken für Unternehmen, hinzu kommen Koordinationsprobleme. CO2-Differenzverträge (CCfD) schließen diese Lücke und erlauben einen frühzeitigen Projektstart. Das Prinzip ist simpel: Die Verträge decken die Differenz zwischen den tatsächlichen Vermeidungskosten und dem CO2-Preis ab. Das deutsche Modell geht dabei einen Schritt weiter und sichert Unternehmen zusätzlich gegen unsichere Energiekosten ab. Das Ergebnis ist eine deutliche Risikoreduktion, die den Weg für private Investitionen ebnet. 

Dieses Paper identifiziert zentrale Stellschrauben im Entwurf der aktuellen Förderrichtlinie (FRL), um die Effektivität des Instruments zu erhöhen:

  • Differenzierte Förderung von CCS/CCU: Die Abscheidung und Speicherung von CO2 ist essen­ziell für die Reduktion vieler schwer vermeidbarer Emissionen. Es besteht jedoch dringender Klärungs­bedarf bei den Kriterien für die Prüfung alternativer Dekarbonisierungspfade, um Fehlsteuerungen zu vermeiden und Transparenz im Antragsverfahren zu schaffen.
  • Strategische Wasserstoffnutzung: Während blauer Wasserstoff in einer Übergangsphase zur Reduktion von Mengenrisiken zulässig ist, muss die Förderung primär den Hochlauf von grünem, elektrolytischem Wasserstoff priorisieren. Dies kann durch gestaffelte Wirtschaftlichkeitsbedingungen und über die Dynamisierungskomponente der Auszahlung geschehen.
  • Sektorspezifische Fördervolumen: Um einen maximalen Transformationsnutzen zu erzielen, dürfen Branchen mit systembedingt hohen Vermeidungskosten, wie die Zementindustrie durch ihre dezentralen Standorte, nicht durch das Gebotsverfahren benachteiligt werden. Eine methodisch fundierte Festlegung von Sektorkontingenten ist hierfür unerlässlich.
  • Reform der Überschusszahlungen: Die Rückzahlungspflicht bei hohen CO2-Preisen kann ein signi­fikantes Risiko für Innovatoren sein. Vorgeschlagen wird eine Dynamisierung der Rückzahlung proportional zur realen Emissionsintensität des Marktes für das betroffene Produkt gegenüber dem Referenzsystem.

Für den Erfolg der industriellen Transformation ist eine Verstetigung der Mittel im Klima- und Transformationsfonds, ein klares politisches Bekenntnis zur langfristigen Absicherung durch CO2-Differenzverträge sowie eine effektive Verzahnung mit anderen Maßnahmen erforderlich. Dazu zählen u. a. eine effektive CO2-Bepreisung und Leitmarktinstrumente.