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CO2-Differenzverträge: Wo die zweite Runde hinter ihrem Potenzial zurückbleibt

Autor:innen: Niklas Wagner

: Bellona Deutschland

CO2-Differenzverträge (Carbon Contracts for Difference, CCfD; vormals Klimaschutzverträge) sind ein Kerninstrument für die Transformation der Grundstoffindustrie hin zur Klimaneutralität. Sie ergänzen den CO2-Preis, gleichen die Vermeidungskosten CO2-armer Produktion aus und senken durch die Absicherung des CO2-Preisrisikos die Finanzierungs- und Projektkosten. Am 5. Mai startete das Gebotsverfahren der zweiten Förderrunde. Bellona hat sich an der Konsultation beteiligt und die finale Ausgestaltung von Förderrichtlinie (FRL) und Förderaufruf (FA) analysiert. Das Ergebnis ist ambivalent: 

  • Differenzierte Förderung von CCS und CCU: Die Kriterien werden klarer, doch CCS und CCU können energieträgerspezifische Kriterien umgehen, ohne dass eine echte Priorisierungslogik greift. 
  • Strategische Wasserstoffförderung: Positiv sind einheitliche Basispreise für erneuerbaren und CO2-armen Wasserstoff samt 5-%-Aufschlag für erneuerbaren Wasserstoff; leider bleiben weitere Priorisierungselemente aus. Zudem verschlechtern sich die Förderbindungen im Vergleich zu anderen Dekarbonisierungsoptionen.  
  • Sektorspezifische Fördervolumen: Das pauschale Grundsektorvolumen von 1 Mrd. EUR verhindert zwar eine einseitige Ausschöpfung, ist aber nicht bedarfsorientiert hergeleitet. 
  • Begrenzung der Überschusszahlungen: Die zusätzliche Deckelung ist sinnvoll, adressiert das CO2-Preisrisiko am CCfD-Ende jedoch nicht zielgenau. 
  • THG-Minderungsziele: Das finale Minderungsziel wurde von 90 % auf 85 % gesenkt und externalisiert damit zusätzliche Restemissionen. 
  • CO2-Absicherungspreise: Sie steigen von zuvor maximal 180 EUR/t auf rund 258 EUR/t CO2 – der CO2-Differenzvertrag verliert dadurch teilweise seine Absicherungsfunktion. 

Politische Forderungen für künftige Förderrunden 

  • Kriterien für schwer vermeidbare Emissionen auf Prozessemissionen ausweiten und CCS mit den umweltschädlichsten fossilen Brennstoffen an strengere Wirtschaftlichkeitsnachweise knüpfen 
  • Klare Wasserstoff-Priorisierung etablieren: erneuerbar vor CO2-arm elektrolytisch vor sonstigem CO2-armem Wasserstoff, bei hinreichend geringen Basispreisen 
  • Sektorvolumen bedarfsorientiert abgrenzen 
  • Überschusszahlungspflicht an der realen Emissionsintensität des Marktes dynamisieren 
  • THG-Minderungsziel auf mindestens 90 % anheben 
  • Konservativere CO2-Absicherungspreise wählen 

So ließe sich der Transformationsnutzen der CCfDs je eingesetztem Euro deutlich erhöhen.