Publication

Zwischen CCS und Zirkularität – CCS an der thermischen Abfallbehandlung kompatibel mit einer ambitionierten Kreislaufwirtschaft fördern 

Auch bei einer ambitioniert umgesetzten Kreislaufwirtschaft verbleiben signifikante Abfallmengen, für die es keine bessere Verwertung als die thermische Abfallbehandlung (TAB) gibt. Damit verbunden sind erhebliche CO2-Emissionen, die abgeschieden und gespeichert werden müssen. Die dafür nötigen Nachrüstungen mit CCS sind jedoch mit hohen Investitionsrisiken und Unsicherheiten verbunden; der CO2-Preis allein dürfte die erforderlichen Entscheidungen nicht schnell genug auslösen. 

Unsere Analyse prüft, ob eine Förderung von CCS an TAB-Anlagen mit den Zielen einer ambitionierten Kreislaufwirtschaft vereinbar ist und wie sie ausgestaltet sein müsste. 

Grundlage ist ein theoretisches Modell des TAB-Markts: regional monopolisierte Anbieter mit Größenvorteilen und Kapazitätsbeschränkungen, unterteilt in zwei Segmente. Private Anlagen bilden ihre Preise frei; maßgeblich sind hier Grenzkosten und die Konkurrenz zu anderen Anlagen und Verwertungswegen. Öffentliche Anlagen geben ihre Durchschnittskosten weiter. 

Kernergebnisse 

Zentrales Risiko ist der „CCS-Rebound“: CO2-Kosten sind variabel und damit preisbildend, die Fixkosten der CCS-Nachrüstung sind es nicht. Mit zunehmender Verbreitung von TAB-CCS sinken deshalb die Gate-Fees (Preis für die Verbrennung) und mit ihnen die Anreize für Zirkularität. Entscheidend ist die veränderte Kostenstruktur, nicht die Kostenhöhe. Ursache ist der unvollkommene Markt, der weder Marktein- und -austritte noch kontinuierliche Kapazitätsanpassungen zulässt. Der Effekt verstärkt sich bei Überkapazitäten und betrifft vor allem private Anlagen. 

Ob eine Förderung mit Zirkularität vereinbar ist, hängt von ihrer präzisen Ausgestaltung ab: 

  • Klassische Investitionszuschüsse wirken im privaten Segment neutral auf die Zirkularität; öffentliche Anlagen geben die Kostenersparnis dagegen wahrscheinlich weiter und schwächen so die Zirkularitätsanreize. CO2-Preis- und weitere Investitionsrisiken adressieren Zuschüsse zudem kaum. 
  • Spezielle TAB-CCfD (CO2-Differenzverträge) auf Basis der tatsächlich verbrannten Menge können für private Anlagen wie eine implizite Verbrennungssubvention wirken. Ein CCfD mit ex-ante festgelegtem oder indexiertem Abfallvolumen verhindert dies, setzt aber belastbare Erwartungen über die künftige Abfallmenge voraus, die variablen Kosten für höhere Abfallmengen wären nicht abgesichert. Öffentliche Anlagen würden die Kostenersparnis auch hier zulasten der Zirkularitätssignale weitergeben. Die De-Risking-Wirkung eines CCfD ist dennoch hoch, da er gezielt das CO2-Preisrisiko, und damit auch potenzielle CDR-Erlöse sowie Energieträger- und CCS-Infrastrukturkosten adressiert. 

Empfehlung: ein hybrider, teilweise indexierter CCfD, finanziert über eine ökomodulierte Produktabgabe. Die Abgabe kompensiert die sinkende Gate-Fee und sichert gleichzeitig die Nachrüstung. 

Fazit 

Eine Förderung von TAB-CCS ist möglich, ohne die Kreislaufwirtschaft zu behindern. Überkapazitäten schaden ihr langfristig und erschweren die Nachrüstung; Ausschreibungen sollten daher die Kapazitätsentwicklung mitsteuern und Stranded Assets vermeiden.