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Grüne Leitmärkte: Potenziale des Sondervermögens

Autor:innen: Frauke Eustermann; Malte Küper; Andreas Fischer; Joachim Schmitz-Brieber

Grüne Leitmärkte jetzt wirksam machen –wie das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz die industrielle Transformation beschleunigen kann

Die Transformation der energieintensiven Grundstoffindustrien ist eine zentrale Voraussetzung für Klimaneutralität und industrielle Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland und Europa. Besonders die Branchen Stahl und Zement stehen vor enormen Investitionsbedarfen: Klimafreundliche Produktionsverfahren sind verfügbar oder in Entwicklung – doch sie sind teurer als konventionelle Alternativen. Ohne verlässliche Nachfrage bleiben Investitionen aus.

In unserer gemeinsamen Studie „Grüne Leitmärkte: Potenziale des Sondervermögens“   mit dem IW Köln und Epico  haben wir untersucht, wie die grüne  öffentliche  Beschaffung  die Dekarbonisierung von Zement und Stahl beeinflusst und welche Hebel das Sondervermögen entfaltet . Grüne Leitmärkte schaffen planbare Absatzmärkte für klimafreundliche Grundstoffe – damit werden Investitionsrisiken gesenkt und Skaleneffekte ermöglicht. Die öffentliche Hand kann dabei eine Schlüsselrolle übernehmen: Als großer Nachfrager im Bausektor kann sie gezielt klimafreundliche Materialien einsetzen und so als Ankerkunde für die Transformation der Industrie wirken.

Ein Hebel mit außergewöhnlicher Wirkung: das Sondervermögen

Mit dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz stehen in den kommenden Jahren erhebliche zusätzliche Mittel für öffentliche Bauinvestitionen zur Verfügung. Richtig eingesetzt, kann dieses Sondervermögen weit mehr leisten als die Sanierung maroder Infrastruktur: Es kann zum Motor für den Aufbau grüner Leitmärkte werden.

Die Analyse zeigt, dass allein durch nachhaltige öffentliche Beschaffung im Rahmen des Sondervermögens:

  • der öffentliche Bausektor künftig über 3,7 Millionen Tonnen Stahl und
  • rund 9,7 Millionen Tonnen Zement pro Jahr nachfragen könnte.

Wird diese Nachfrage gezielt auf klimafreundliche Produkte ausgerichtet, lassen sich jährlich mehr als 3,4 Millionen Tonnen CO₂ einsparen – bei vergleichsweise moderaten Mehrkosten gemessen am Gesamtinvestitionsvolumen. Öffentliche Beschaffung wird damit zu einem wirkungsvollen industriepolitischen Instrument.

Kurzfristig wirksam, langfristig transformativ

Nachhaltige öffentliche Beschaffung wirkt sofort: Bereits heute verfügbare CO₂-reduzierte Produkte – etwa Zemente mit niedrigem Klinkeranteil oder Sekundärstahl aus grünem Strom – können kurzfristig eingesetzt werden. Gleichzeitig schafft eine verlässliche Nachfrage die Grundlage für den Hochlauf von Near-Zero-Technologien wie wasserstoffbasierter Stahlerzeugung oder Zement mit CO₂-Abscheidung.

Damit verbindet die öffentliche Beschaffung kurzfristige Emissionsminderungen mit langfristiger industrieller Transformation.

Jetzt die politischen Voraussetzungen schaffen

Damit dieses Potenzial tatsächlich gehoben wird, braucht es klare politische Leitplanken:

  • verbindliche Nachhaltigkeitskriterien in der öffentlichen Beschaffung,
  • Rechtssicherheit und Standardisierung über Bund, Länder und Kommunen hinweg
  • sowie eine klare Verzahnung von Sondervermögen, Vergaberecht und Industriepolitik.

Die anstehenden Reformen – vom Vergabebeschleunigungsgesetz bis zu europäischen Initiativen für grüne Leitmärkte – bieten dafür ein Zeitfenster, das jetzt genutzt werden muss.

Grüne Leitmärkte entstehen nicht von allein.

Doch mit gezielter öffentlicher Nachfrage kann der Staat den Wandel beschleunigen – für Klimaschutz, industrielle Wertschöpfung und eine zukunftsfähige Infrastruktur.