CCS Ladder 2.0 – ein Update zur Einordnung des Klimanutzens von CCS-Anwendungen in Europa
Als E3G und Bellona 2023 erstmals die CCS Ladder veröffentlichten, war das Ziel, mehr Differenzierung in die polarisierte Debatte um CCS zu bringen. ...
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Autor:innen: Frauke Eustermann; Malte Küper; Andreas Fischer; Joachim Schmitz-Brieber
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Grüne Leitmärkte jetzt wirksam machen –wie das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz die industrielle Transformation beschleunigen kann
Die Transformation der energieintensiven Grundstoffindustrien ist eine zentrale Voraussetzung für Klimaneutralität und industrielle Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland und Europa. Besonders die Branchen Stahl und Zement stehen vor enormen Investitionsbedarfen: Klimafreundliche Produktionsverfahren sind verfügbar oder in Entwicklung – doch sie sind teurer als konventionelle Alternativen. Ohne verlässliche Nachfrage bleiben Investitionen aus.
In unserer gemeinsamen Studie „Grüne Leitmärkte: Potenziale des Sondervermögens“ mit dem IW Köln und Epico haben wir untersucht, wie die grüne öffentliche Beschaffung die Dekarbonisierung von Zement und Stahl beeinflusst und welche Hebel das Sondervermögen entfaltet . Grüne Leitmärkte schaffen planbare Absatzmärkte für klimafreundliche Grundstoffe – damit werden Investitionsrisiken gesenkt und Skaleneffekte ermöglicht. Die öffentliche Hand kann dabei eine Schlüsselrolle übernehmen: Als großer Nachfrager im Bausektor kann sie gezielt klimafreundliche Materialien einsetzen und so als Ankerkunde für die Transformation der Industrie wirken.
Mit dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz stehen in den kommenden Jahren erhebliche zusätzliche Mittel für öffentliche Bauinvestitionen zur Verfügung. Richtig eingesetzt, kann dieses Sondervermögen weit mehr leisten als die Sanierung maroder Infrastruktur: Es kann zum Motor für den Aufbau grüner Leitmärkte werden.
Die Analyse zeigt, dass allein durch nachhaltige öffentliche Beschaffung im Rahmen des Sondervermögens:
Wird diese Nachfrage gezielt auf klimafreundliche Produkte ausgerichtet, lassen sich jährlich mehr als 3,4 Millionen Tonnen CO₂ einsparen – bei vergleichsweise moderaten Mehrkosten gemessen am Gesamtinvestitionsvolumen. Öffentliche Beschaffung wird damit zu einem wirkungsvollen industriepolitischen Instrument.
Nachhaltige öffentliche Beschaffung wirkt sofort: Bereits heute verfügbare CO₂-reduzierte Produkte – etwa Zemente mit niedrigem Klinkeranteil oder Sekundärstahl aus grünem Strom – können kurzfristig eingesetzt werden. Gleichzeitig schafft eine verlässliche Nachfrage die Grundlage für den Hochlauf von Near-Zero-Technologien wie wasserstoffbasierter Stahlerzeugung oder Zement mit CO₂-Abscheidung.
Damit verbindet die öffentliche Beschaffung kurzfristige Emissionsminderungen mit langfristiger industrieller Transformation.
Damit dieses Potenzial tatsächlich gehoben wird, braucht es klare politische Leitplanken:
Die anstehenden Reformen – vom Vergabebeschleunigungsgesetz bis zu europäischen Initiativen für grüne Leitmärkte – bieten dafür ein Zeitfenster, das jetzt genutzt werden muss.
Doch mit gezielter öffentlicher Nachfrage kann der Staat den Wandel beschleunigen – für Klimaschutz, industrielle Wertschöpfung und eine zukunftsfähige Infrastruktur.