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Interaktion oder Integration? Die Rolle von CDR im EU-ETS 1

Autor:innen: Milan Loose

: Bellona Deutschland; Zentrum Liberale Moderne

Negative Emissionen werden für das Erreichen der deutschen und europäischen Klimaziele benötigt. Um den Hochlauf von solchen Negativemissionstechnologien (NET) zu fördern, wird aktuell die Integration von CDR-Zertifikaten in das ETS 1 diskutiert und politisch priorisiert. Diese Maßnahme soll zusätzlich für Liquidität im ETS nach dem Auslaufen der Emissionszertifikate 2039 sorgen. Unter den jetzigen Rahmenbedingungen könnte eine pauschale direkte Integration dazu führen, dass Emissionsminderungen verzögert („mitigation deterrence“), bestehende Zielkonflikte zwischen permanenter und naturbasierter CO₂-Entnahmen verstärkt und Marktverzerrungen erzeugt werden. Insgesamt würde dadurch das ETS abgeschwächt und das Erreichen der Klimaneutralitätsziele unwahrscheinlicher.

Dieses Positionspapier beleuchtet diese Risiken und diskutiert, wie stattdessen eine Interaktion von permanenten CO2 -Entnahmen mit dem ETS  ausgestaltet werden könnte:

  • Permanente Entnahmen für permanent wirkende Emissionen: Damit ein gleichwertiger Klimaeffekt durch eine Entnahme gewährleistet werden kann, sollten nur Entnahmezertifikate aus permanenten NETs für eine Interaktion in Frage kommen. Dazu bieten sich nur DACCS und wenige Bio-CCS Anwendungen, so zum Beispiel in der Zement- und Kalkproduktion sowie der Müllverbrennung, an.
  • Robuste MRV-Systeme und CO2-Bilanzierung: Nur durch MRV- und CO2-Bilanzierungssysteme, die die Permanenz und THG-Bilanz einzelner Entnahme-Projekte vollumfänglich abbilden, kann eine Substituierbarkeit zwischen Entnahme- und Emissionszertifikaten gesichert werden. Für Projekte mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt oder Gesellschaft müssen klare Ausschlusskriterien gelten.
  • Obergrenze für den Umfang der Interaktion: Der Ausgleich von Emissionen sollte nur dann möglich sein, wenn keine überschüssigen Zertifikate existieren. Dadurch wird die Planungssicherheit gestärkt und gesichert, dass die voraussichtlich knappen Zertifikate sich auf Residualemissionen ausrichten.
  • Entwicklung von Finanzierungsinstrumenten und Haftungsrahmen: Da durch den ETS eine Marknachfrage erst mittelfristig entsteht, bedarf es in der Zwischenzeit an zusätzlichen Finanzierungsinstrumenten, welche den zeitgerechten Hochlauf an NETs fördert.

Zusätzlich zu einer effektiven CDR-Politik ist zentral, dass Emissionsminderung und -vermeidung oberste Priorität bleiben, Ziele für natürliche und permanente CO2-Entnahmen separat sind und die Klimawirkung von Biomasse neu bewertet wird. Nur so können das ETS als wirksames Politikinstrument bestehen und die Klimaziele erreicht werden.