Chemisches Recycling im Kreislaufwirtschaftsgesetz: Bellona Deutschland nimmt Stellung
Der Referentenentwurf zur Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes definiert erstmals gesetzlich, was chemisches Recycling ist – und wo es in der Ab...
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Autor:innen: Fabian Liss; Anna Hauggaard-Nielsen
: Bellona Deutschland
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Bio-CCS – die Abscheidung und dauerhafte Speicherung von biogenem CO₂ – wird als Technologie zur Erzeugung von Negativemissionen bzw. dauerhaften Entnahmen diskutiert. Dabei hängt der reale Beitrag der Bio-CCS-Anwendungen zum Klimaschutz jedoch von Faktoren ab, die mitunter nicht leicht in Einklang zu bringen sind: Die Verfügbarkeit tatsächlich nachhaltig erzeugter Biomasse ist begrenzt, natürliche Kohlenstoffsenken wie Wälder und Böden dürfen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, und die Nutzung biogener Rohstoffe steht ggf. in Konkurrenz u. a. zu stofflichen und energetischen Verwendungen in der Industrie. Entscheidend ist deshalb eine realistische Bewertung der zur Realisierung von Negativemissionen verfügbaren biogenen CO₂-Mengen, den Lebenszyklusemissionen der gesamten Prozesskette und der verfügbaren Alternativen für den Einsatz der Biomasse.
Viele bislang theoretisch diskutierte Bio-CCS-Potenziale erweisen sich bei genauer Betrachtung als zu optimistisch, da sie die Größe der biomasseverarbeitenden Anlagen, ihre räumliche Lage in Deutschland in Relation zu potenziellen CO2-Netzausbaupfaden und dadurch auch die tatsächliche Erschließbarkeit mit Transport- und Speicherinfrastruktur nicht ausreichend berücksichtigen. Bio-CCS ist daher kein schnell skalierbares Klimaschutzinstrument, sondern wird sich angesichts vielfältiger Restriktionen zunächst nur an ausgewählten, anschlussfähigen Quellen realisieren lassen.
Dieses Policy Paper analysiert daher die geographische Verteilung und Struktur der Punktquellen in den verschiedenen, für die Anwendung von Bio-CCS infrage kommenden Sektoren in Deutschland und entwickelt Politikempfehlungen an der Schnittstelle von CO2-Netzentwicklung und Langfriststrategie Negativemissionen.
Es zeigt sich: Besonders relevant ist Bio-CCS dort, wo große Punktquellen mit biogenen bzw. gemischten Stoffströmen ohnehin Teil des entstehenden deutschen CO2-Transportnetzes werden, etwa in der thermischen Abfallbehandlung sowie in Teilen der Papier- und Zellstoffindustrie oder ggf. in Zement- und Kalkwerken mit Ersatzbrennstoffverfeuerung. Hier bestehen zügig erschließbare Potenziale für die schrittweise Realisierung eines Negativemissionspotenzials von > 10 Mt CO2 im Jahr.