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Geologische Speicherung von CO2: Offshore oder Onshore?

Autor:innen: Fabian Liss

: Bellona Deutschland

Die Frage, ob CO2-Speicherung in Deutschland onshore oder offshore entwickelt werden sollte, ist vor allem eine industrie-, raumordnungs- und akzeptanzpolitische Entscheidung. Das KSpTG schafft erstmals einen rechtlichen Rahmen für beide Optionen, beantwortet aber noch nicht, welche Speicherorte aus ökonomischer, transformationspolitischer, raumordnerischer und gesellschaftlicher Perspektive vorrangig entwickelt werden sollten.  

Das Papier kommt zu dem Ergebnis, dass für Deutschland ein paralleler Ausbau von Onshore- und Offshore-Speichern erforderlich ist, um die für schwer vermeidbare Emissionen nötigen Injektionskapazitäten mittelfristig bereitzustellen. 

Onshore-Speicherung ist in der Regel kostengünstiger, näher an den Emissionsquellen und kann den Aufbau regionaler CCS-Infrastrukturen beschleunigen. Sie eröffnet Chancen für lokale Wertschöpfung, kürzere Transportwege und einen dezentraleren CCS-Hochlauf. Gleichzeitig ist sie mit Nutzungskonflikten um Flächen, möglichen Konflikten mit der Trinkwassernutzung, Altbohrungen aus früherer Erdgas- und Erdölförderung sowie ggf. höheren lokalen Akzeptanzrisiken verbunden. 

Offshore-Speicherung unter dem Meeresboden kann ebenfalls einen wichtigen Beitrag leisten, ist in Deutschland aber vor allem durch begrenzte Flächen und konkurrierende Nutzungen in der Nordsee eingeschränkt. Zwar wird die Offshore-Speicherung oft als gesellschaftlich weniger kontrovers wahrgenommen, doch ist diese Annahme empirisch nicht gut belegt. Für die Wahrnehmung von Offshore-Speicherung spielen u. a. auch der prekäre Status des Meeresnaturschutzes und die bereits hohe Nutzungsdichte eine zentrale Rolle. 

Deutschland sollte die Entwicklung von CO2-Speichern nicht auf die Speicherung offshore verengen. Stattdessen braucht es auch regionale, raumplanerisch moderierte Speicherstrategien, die Onshore-Potenziale systematisch prüfen. Offshore-Potenziale sollten zügig erschlossen und Nutzungskonflikte frühzeitig adressiert werden. Entscheidend sind dabei eine transparente Standortprüfung, partizipative Beteiligungsverfahren und ein verlässlicher Rahmen für Investitionen in die gesamte CCS-Kette. 

Sieben Thesen und Handlungsempfehlungen: 

  1. Deutschland ist ein dicht besiedeltes und intensiv genutztes Land. Deshalb entstehen bei der CO2-Speicherung sowohl an Land als auch auf See Nutzungskonflikte, die durch transparente Raumplanung und frühe Beteiligungsverfahren gut moderiert werden müssen. Die Länder tragen dabei eine besondere Verantwortung; der Bund kann sie durch Koordination und praktische Umsetzungshilfen unterstützen. 
  1. Trotz dieser Konflikte gibt es in Deutschland onshore und offshore geeignete Gebiete für CO2-Speicherung, die zügig entwickelt werden sollten. Das ist aus Kosten- und Kapazitätsgründen wichtig. In einigen Bundesländern sind die Emissionen so hoch, dass Onshore-Speicherung auch als industriepolitische Chance für die Regionen dienen kann. 
  1. Entscheidungen über ein Opt-in für Onshore-Speicherung können schon jetzt vorbereitet werden, etwa durch geologische Untersuchungen der Länder und durch Carbon Management-Strategien, die regionale Emissionsstrukturen genauer erfassen. 
  1. Die öffentliche Debatte über Akzeptanz ist oft von falschen Annahmen geprägt. In der Praxis hängt Akzeptanz weniger von der Frage „onshore oder offshore“ ab, sondern von der konkreten Ausgestaltung einzelner Projekte. 
  1. Onshore-Speicherung sollte deshalb Teil der Entwicklungspläne sein, allerdings nicht überall und nicht ohne Rücksicht auf lokale Konflikte. Sie ist für einen kosteneffizienten CCS-Hochlauf wichtig und sollte nicht vorschnell aus politischen Gründen ausgeschlossen werden, auch weil künftig zusätzliche Kapazitäten für CCS-basiertes CDR benötigt werden. 
  1. In der Hochlaufphase von CCS könnten je nach Szenario Knappheiten bei der Injektionskapazität bestehen. Deshalb braucht es neben klarer Priorisierung der Anwendungen nach Klimanutzen auch Anreize und Pflichten zur Entwicklung von Speicherkapazität und eine bessere Koordination der gesamten CCS-Kette. 
  1. Entscheidend ist letztlich das zeitliche Zusammenspiel von Projekten und verfügbarer Injektionskapazität. Ein konkreter Ausbauplan mit Zeitplänen für Erkundung, Genehmigung und Einspeicherung wäre dafür hilfreich.