Publication

Kreislaufwirtschaft im Bau – Fokus Zement und Beton 

Autor:innen: Frauke Eustermann

: Bellona Deutschland

Zement und Beton sind die größte Emissionsquelle im Bau und zugleich der größte Massenstrom beim Rückbau. Unser neuer Bericht zeigt, welche Hebel es gibt und warum Kommunen dabei eine Schlüsselrolle spielen. 

Kein anderer Sektor erzeugt in der EU so viel Abfall wie der Bau: Bau- und Abbruchabfälle machen rund 38 Prozent des gesamten europäischen Abfallaufkommens aus. Innerhalb des Bausektors sticht Zement heraus: Er verursacht mehr als 80 Prozent der CO2-Emissionen von Beton, weltweit gehen 7 bis 8 Prozent aller CO2-Emissionen auf seine Herstellung zurück. 

Mit unserem neuen Bericht “Kreislaufwirtschaft im Bau: Fokus Zement und Beton” zeigen wir, auf welchen Ebenen sich das ändern lässt: durch weniger Materialeinsatz beim Bauen selbst, durch die Wiederverwendung ganzer Betonbauteile statt Abriss, durch das Recycling von Betonabbruch zu neuer Gesteinskörnung, durch klinkerreduzierte Zementarten sowie durch die Fähigkeit von Beton, CO2 wieder aufzunehmen, ein Potenzial, das der Bericht einordnet, aber auch kritisch hinterfragt. 

Im Zentrum steht dabei eine Gruppe, die oft übersehen wird: Kommunen. Als Auftraggeber:innen für eigene Bauvorhaben verantworten sie rund ein Viertel der gesamten deutschen Zementnachfrage, deutlich mehr als beim Stahl. Über ihre Vergabeverfahren entscheidet sich also mit, ob klimafreundlicher Zement und recycelter Beton zum Standard werden oder eine Nische bleiben. 

Der rechtliche Rahmen dafür existiert bereits, von der neuen EU-Bauprodukteverordnung über die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie bis zum Vergabebeschleunigungsgesetz, bleibt aber lückenhaft: Umweltkriterien sind bislang meist freiwillig statt verbindlich. Deshalb leiten wir aus unserer Arbeit zu grünen Leitmärkten und kreislaufgerechtem Bauen sechs konkrete Forderungen an Bund, Länder und Kommunen ab, von schärferen Umweltkriterien im Vergaberecht über eine verlässliche Finanzierung grüner Leitmärkte bis zur zügigen Novelle der Ersatzbaustoffverordnung. 

«Kommunen sind nicht nur Zuschauerinnen beim Klimaschutz im Bau, sie sind mit ihrer eigenen Beschaffung selbst ein entscheidender Hebel. Was jetzt fehlt, sind keine neuen Ideen, sondern verbindliche statt freiwillige Regeln, damit aus einzelnen Vorreiterprojekten endlich der Standard wird.»

Frauke Eustermann

Fachreferentin Nachhaltiges Bauen