Deutschland hat sich zur Klimaneutralität bis 2045 verpflichtet – doch selbst unter ambitionierten Annahmen zur Emissionsminderung bleiben laut aktuellen nationalen Klimaschutzszenarien im Schnitt rund 71 Mt CO₂-äquivalente Emissionen, die ohne Carbon Capture and Storage (CCS) nicht adressiert werden können. Es braucht einen umfangreichen Instrumentenmix – in diesem können systemische Wechselwirkungen den CCS-Bedarf beeinflussen. Im Mittel wird für das Erreichen der Klimaziele auch unter ambitionierten Annahmen ein CCS-Bedarf von rund 35 Mt CO₂ pro Jahr im Jahr 2045 erwartet. Werden Ziele – etwa für natürliche Senken – nicht erreicht, steigt der Bedarf.
Unser Papier verdeutlicht: Der CCS-Bedarf ist das Ergebnis politischer, wirtschaftlicher und technologischer Weichenstellungen. Fünf systemische Hebel – Elektrifizierung, Wasserstoff, Kreislaufwirtschaft und Materialeffizienz, natürliche Senken sowie eine kluge finanzpolitische Steuerung – können den Umfang des CCS-Einsatzes erheblich beeinflussen. In den Schlüsselindustrien der Stahl-, Chemie- und Zementindustrie zeigt die Analyse sektorspezifische Minderungspotenziale: Vom Import von grünen Grundstoffen, über zirkuläre Rohstoffkreisläufe bis zur konsequenten Elektrifizierung. In einigen Branchen, wie z. B. der Zement- und Kalkindustrie und der thermischen Abfallbehandlung führt an einer skalierten Anwendung von CCS für das Erreichen der „Netto-Null“ kein Weg vorbei. Dennoch ist auch in diesen Branchen CCS nicht der einzige Ansatz und muss sinnvoll mit anderen systemischen Hebeln und Ansätzen kombiniert werden. Ein klima- und transformationspolitisch sinnvoller Hochlaufpfad für CCS muss stets diese systemischen Wechselwirkungen reflektieren, um sich dem volkswirtschaftlichen Optimum anzunähern und den Förderrahmen effektiv ausgestalten zu können.
Die zentrale politische Botschaft: CCS ist dort zu priorisieren, wo derzeit und ggf. auch perspektivisch keine effizienteren Alternativen bestehen – der Hochlauf darf aber nicht auf Kosten von Elektrifizierung, natürlichen Senken und Kreislaufwirtschaft laufen. Bellona Deutschland fordert einen kohärenten Policy-Rahmen aus verlässlicher CO₂-Bepreisung, gezielten Differenzverträgen, grünen Leitmärkten und einem Ziel für permanente CO₂-Entnahme nach KSG §3b, um Investitionssicherheit für die Industrietransformation zu schaffen.